Fragenkatalog der Begutachtung
Der Medizinische Dienst fragt nach festen Punkten aus dem Gesetz, 64 in sechs Bereichen (Anlage 1 zu § 15 SGB XI). Hier stehen alle, mit dem Namen im Gesetz und in Alltagssprache.
Das Wichtigste
- Sechs Bereiche: Bewegen, Denken und Verstehen, Verhalten und Stimmung, Waschen, Anziehen, Essen, Toilette, Medizinische Versorgung, Alltag und Kontakte.
- Gewichtung: Selbstversorgung zählt 40 %, medizinische Versorgung 20 %, Denken oder Verhalten 15 % (der höhere zählt), Alltag 15 %, Bewegen 10 % (Anlage 2 zu § 15 SGB XI).
- Ehrlich antworten: Es zählt der Alltag, wie er ist, an guten und an schlechten Tagen. Ein Pflegetagebuch hilft, nichts zu vergessen.
Bereich 1: Bewegen
| Nr. | Im Gesetz | In Alltagssprache |
|---|---|---|
| 1.1 | Positionswechsel im Bett | Im Bett drehen und aufsetzen |
| 1.2 | Halten einer stabilen Sitzposition | Aufrecht sitzen |
| 1.3 | Umsetzen | Aufstehen und umsetzen |
| 1.4 | Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs | In der Wohnung gehen |
| 1.5 | Treppensteigen | Treppen steigen |
Im Gesetz: „Mobilität“. Gewichtung 10 %.
Bereich 2: Denken und Verstehen
| Nr. | Im Gesetz | In Alltagssprache |
|---|---|---|
| 2.1 | Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld | Vertraute Menschen erkennen |
| 2.2 | Örtliche Orientierung | Sich zurechtfinden |
| 2.3 | Zeitliche Orientierung | Zeit einschätzen |
| 2.4 | Erinnern an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen | Sich erinnern |
| 2.5 | Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen | Abläufe hinbekommen |
| 2.6 | Treffen von Entscheidungen im Alltag | Entscheiden |
| 2.7 | Verstehen von Sachverhalten und Informationen | Verstehen, was passiert |
| 2.8 | Erkennen von Risiken und Gefahren | Gefahren erkennen |
| 2.9 | Mitteilen von elementaren Bedürfnissen | Sagen, was fehlt |
| 2.10 | Verstehen von Aufforderungen | Bitten verstehen |
| 2.11 | Beteiligen an einem Gespräch | Sich unterhalten |
Im Gesetz: „Kognitive und kommunikative Fähigkeiten“. Gewichtung 15 %, es zählt der höhere der Bereiche 2 und 3.
Bereich 3: Verhalten und Stimmung
| Nr. | Im Gesetz | In Alltagssprache |
|---|---|---|
| 3.1 | Motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten | Unruhe und Weglaufen |
| 3.2 | Nächtliche Unruhe | Unruhe in der Nacht |
| 3.3 | Selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten | Sich selbst verletzen |
| 3.4 | Beschädigen von Gegenständen | Dinge beschädigen |
| 3.5 | Physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen | Schlagen, kratzen, beißen |
| 3.6 | Verbale Aggression | Beschimpfen und drohen |
| 3.7 | Andere pflegerelevante vokale Auffälligkeiten | Rufen, Schreien, ständiges Fragen |
| 3.8 | Abwehr pflegerischer und anderer unterstützender Maßnahmen | Hilfe abwehren |
| 3.9 | Wahnvorstellungen | Sich verfolgt oder bestohlen fühlen |
| 3.10 | Ängste | Ängste |
| 3.11 | Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage | Antriebslos und niedergeschlagen |
| 3.12 | Sozial inadäquate Verhaltensweisen | Unpassendes Verhalten |
| 3.13 | Sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen | Nesteln, Horten, Verstecken |
Im Gesetz: „Verhaltensweisen und psychische Problemlagen“. Gewichtung 15 %, es zählt der höhere der Bereiche 2 und 3.
Bereich 4: Waschen, Anziehen, Essen, Toilette
| Nr. | Im Gesetz | In Alltagssprache |
|---|---|---|
| 4.1 | Waschen des vorderen Oberkörpers | Oberkörper waschen |
| 4.2 | Körperpflege im Bereich des Kopfes (Kämmen, Zahnpflege/Prothesenreinigung, Rasieren) | Kämmen, Zähne, Rasieren |
| 4.3 | Waschen des Intimbereichs | Intimbereich waschen |
| 4.4 | Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare | Duschen, Baden, Haare waschen |
| 4.5 | An- und Auskleiden des Oberkörpers | Oben anziehen |
| 4.6 | An- und Auskleiden des Unterkörpers | Unten anziehen |
| 4.7 | Mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken | Essen schneiden, Getränke eingießen |
| 4.8 | Essen | Essen |
| 4.9 | Trinken | Trinken |
| 4.10 | Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls | Toilette |
| 4.11 | Bewältigen der Folgen einer Harninkontinenz und Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma | Vorlagen, Katheter, Urinbeutel |
| 4.12 | Bewältigen der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma | Inkontinenz beim Stuhlgang, Stomabeutel |
| 4.13 | Ernährung parental oder über Sonde | Ernährung über Sonde oder Infusion |
Im Gesetz: „Selbstversorgung“. Gewichtung 40 %.
Bereich 5: Medizinische Versorgung
| Nr. | Im Gesetz | In Alltagssprache |
|---|---|---|
| 5.1 | Medikation | Medikamente |
| 5.2 | Injektionen (subcutan oder intramuskulär) | Spritzen |
| 5.3 | Versorgung intravenöser Zugänge (Port) | Port und Venenzugang |
| 5.4 | Absaugen und Sauerstoffgabe | Absaugen, Sauerstoff, Atemmaske |
| 5.5 | Einreibungen oder Kälte- und Wärmeanwendungen | Salben, Kälte, Wärme |
| 5.6 | Messung und Deutung von Körperzuständen | Messen: Blutzucker, Blutdruck, Gewicht |
| 5.7 | Körpernahe Hilfsmittel | Hörgerät, Brille, Kompressionsstrümpfe, Prothese |
| 5.8 | Verbandswechsel und Wundversorgung | Verbände und Wunden |
| 5.9 | Versorgung mit Stoma | Stoma pflegen |
| 5.10 | Regelmäßige Einmalkatheterisierung und Nutzung von Abführmethoden | Einmalkatheter, Einlauf |
| 5.11 | Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung | Übungen zu Hause |
| 5.12 | Zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung | Blutwäsche oder Beatmung zu Hause |
| 5.13 | Arztbesuche | Arztbesuche |
| 5.14 | Besuch anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen (bis zu drei Stunden) | Therapie oder Klinik (bis 3 Stunden) |
| 5.15 | Zeitlich ausgedehnte Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen (länger als drei Stunden) | Lange Termine (über 3 Stunden) |
| 5.16 | Einhaltung einer Diät und anderer krankheits- oder therapiebedingter Verhaltensvorschriften | Diät und ärztliche Vorschriften einhalten |
Im Gesetz: „Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen“. Gewichtung 20 %.
Bereich 6: Alltag und Kontakte
| Nr. | Im Gesetz | In Alltagssprache |
|---|---|---|
| 6.1 | Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen | Den Tag einteilen |
| 6.2 | Ruhen und Schlafen | Ruhen und Schlafen |
| 6.3 | Sichbeschäftigen | Sich beschäftigen |
| 6.4 | Vornehmen von in die Zukunft gerichteten Planungen | Vorausplanen |
| 6.5 | Interaktion mit Personen im direkten Kontakt | Mit Menschen umgehen |
| 6.6 | Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds | Kontakt halten |
Im Gesetz: „Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte“. Gewichtung 15 %.
Alle Punkte selbst durchgehen?
Der Pflegegrad-Rechner fragt alle 64 Punkte in der Reihenfolge eines Tages ab und zeigt das Ergebnis heute und nach dem Entwurf 2027.
Einschätzung startenBeim Besuch
Der Gutachter fragt nach dem Alltag, schaut sich die Wohnung an und lässt sich oft etwas zeigen, etwa das Aufstehen oder ein paar Schritte. Angehörige dürfen dabei sein und ergänzen.
Weiterlesen
Das Gutachten bekommst du mit dem Bescheid, wenn du nicht widersprichst, oder später auf Anfrage (§ 18c Abs. 2 SGB XI).
Quellen
- Anlage 1 zu § 15 SGB XI (Kriterien) (26.10.2026)
- Anlage 2 zu § 15 SGB XI (Gewichtung) (26.10.2026)
- § 18c SGB XI (Bescheid und Gutachten) (26.10.2026)
Häufige Fragen
Was fragt der Medizinische Dienst bei der Begutachtung?
Nach 64 Punkten in sechs Bereichen, von „Positionswechsel im Bett“ bis „Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds“ (Anlage 1 zu § 15 SGB XI). Alle stehen auf dieser Seite.
Wie beantwortet man die Fragen richtig?
So, wie der Alltag wirklich ist, auch an schlechten Tagen und nachts. Schreib vorher ein, zwei Wochen auf, wobei Hilfe nötig ist; dann vergisst du nichts.
Zählen alle Punkte gleich?
Nein. Jeder Bereich wird gewichtet; die Selbstversorgung zählt am meisten (Anlage 2 zu § 15 SGB XI).
Gibt es den Fragenkatalog als PDF?
Mit der Druckfunktion deines Browsers kannst du diese Seite drucken oder als PDF speichern. Die amtliche Fassung steht in Anlage 1 zu § 15 SGB XI.